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Der Medizinische Beirat des Valeo-Klinikverbundes beim Interview über das Projekt „Medizinische Ergebnisqualität“ am 11. Mai 2010 in Gütersloh (v. l.): Prof. Dr. Christian Peiper (Hamm), Prof. Dr. Michael Mayer (Lippstadt), Arno Schäfer (Valeo-Geschäftsstelle), Prof. Dr. George Micklefield (Unna) und Dr. Steffen Krummbein (Bünde). |
Medizinische Ergebnisqualität bedeutet ...
Prof. Dr. Michael Mayer:
Mit dem Projekt Medizinische Ergebnisqualität, das erfreulicherweise von der Valeo-Geschäftsführung initiiert wurde und das deren Unterstützung genießt, wollen wir strukturelle Veränderungen einleiten, die in der anschließenden Umsetzung aus unserer Sicht nur mit den Medizinern/Ärzten stattfinden können. Kaufmännische Sichtweisen sind wichtig, aber nur unter Mitwirkung der Ärzte kann ein Haus eine nachhaltig angelegte Qualitätsentwicklung starten.
Damit können wir dem Ärztemangel und seinen Auswirkungen begegnen und dies zusätzlich durch eine entsprechend Weiterbildungsordnung absichern.
Prof. Dr. George Micklefield:
Valeo entwickelt sich hier von einem mit überwiegend kaufmännisch orientierten Zielen gestarteten, ausgestatteten und geprägten Interessenverbund hin zu einem medizinischen Qualitätsverbund im Sinne einer Klinischen Marke, die dem originären Verbundmotto „hic valeo – hier geht es mir gut, hier fühle ich mich wohl“ konsequent folgt.
Prof. Dr. Christian Peiper:
Wir wollen aus medizinischer Sicht mehr erreichen und voneinander lernen – warum sollten gute Arbeitsansätze und Erkenntnisse aus Arbeitsprozessen in den Valeohäusern nicht für alle Mediziner im Verbund nutzbar gemacht werden? Das fängt bei einfachen Checklisten zur Sepsisvermeidung an und ist beim beispielhaften Einsatz einer OP-Planung noch lange nicht zu Ende.
Prof. Dr. George Micklefield:
In Selbstreviews, also in Analysen verschiedener Behandlungsabläufe durch das Ärzteteam im eigenen Haus, interessiert uns die Ergebnisqualität – bei den Peer-Reviews laden wir andere Teams aus anderen Valeo-Häusern zu uns ein, um gemeinsam auf ausgesuchte Fallverläufe zu schauen. Diese Analysen wirken sich nicht selten dann auf die Prozess- und Strukturqualität aus.
Prof. Dr. Christian Peiper:
Neu ist dabei, dass wir als Chirurgen die Türen zum OP öffnen, damit Qualität vorbehaltlos überprüft werden kann. Die Gäste beim Peer-Review schauen genau hin, denn auch sie können letztlich aus den guten wie weniger gut verlaufenen Prozessen lernen. Für die Chirurgengeneration vor uns war das noch undenkbar, heute sind die Oberärzte mit im Boot.
Dr. Steffen Krummbein:
Die Sinnhaftigkeit wird von allen Mitarbeitern gesehen.
Prof. Dr. Michael Mayer:
Die jungen Assistenten fordern die Selbstreviews, weil sie erkennen, wie viel Lernpotenzial darin steckt. Aber auch den Peer-Reviews stehen sie offen gegenüber.
Dr. Steffen Krummbein:
Wichtig ist, dass diese Begutachtung in interdisziplinärer aufgestellten Teams stattfindet, also Internisten sich für die Fälle in der Chirurgie interessieren und Chirurgen ausgewählte Fallverläufe in der Inneren Medizin nachbetrachtend unter die Lupe nehmen. Das Projekt funktioniert nur über Vertrauen. Heute geben wir zu, dass wir Fehler machen oder Behandlungsprozesse noch zu verbessern sind – früher wussten das auch alle, aber keiner hat etwas dazu gesagt.
Arno Schäfer:
Eine offene Fehlerkultur braucht Selbstbewusstsein, Mut und Kritikfähigkeit. Die Teilnehmer am Projekt „Medizinische Ergebnisqualität“ haben sich auf diesen Weg gemacht. Damit wird eine offene Kommunikation entwickelt, in der mit Problemen offen umgegangen wird, konstruktive Kritik geäußert werden kann sowie die Meinungen aller Mitglieder angehört und in Entscheidungen einbezogen werden können.
Krankenhäuser mit funktionierender Fehlerkultur zeichnen sich dadurch aus, dass es selbstverständlich ist, sanktionsfrei über Fehler und Beinaheschäden zu berichten und diese hinsichtlich ihrer Ursachen zu analysieren. Sie sind durch das Motto geprägt: „Jeder Fehler ist ein Schatz“ und schaffen dadurch gemeinsame Werte und Orientierungen.
Prof. Dr. Michael Mayer:
Aus unserer Sicht macht Valeo als Verbund und als Marke nur dann Sinn, wenn auf medizinischer Ebene Gemeinsamkeiten gefunden und weiterentwickelt werden. Das schließt die Entwicklung und den Ausbau gemeinsamer Qualitätsstufen selbstverständlich ein.
Prof. Dr. George Micklefield:
Das ist die Chance, die das Projekt Medizinische Ergebnisqualität dem Verbund bietet: die Peer-Reviews als Begutachtungen ohne Anklage und auf Augenhöhe bringen uns Ärzte zusammen und fördern eine gemeinsame Struktur- und Prozessqualität, die sehr wertvoll für uns ist.
Dr. Steffen Krummbein:
Der Medizinische Beirat leistet hier im Vorfeld einen unschätzbar wichtigen Beitrag. Dieser kleine Kreis gewährleistet Vertrauen, und das ist für alle Entwicklungsschritte in den von uns geleiteten und zu vertretenden Arbeitsbereichen das Wichtigste.
Interview: Thomas Meier-Vehring





